2010 AKW Phillipsburg

2010 AKW Phillipsburg

Am Donnerstag, den 27. Mai 2010, machten sich 19 Studenten des KIT auf den Weg von Karlsruhe mit dem Bus ins EnBW Kernkraftwerk nach Philippsburg. Einige Zeit und viele mächtige Strommasten später erblickten wir die Gebäude und die beiden mächtigen Kühltürme des Kraftwerks: wir waren am Ziel angekommen.

Das Kernkraftwerk Philippsburg besteht aus zwei Blöcken, einem Siedewasserreaktor mit einer Leistung von 926 MW aus den 70er Jahren und einem Druckwasserreaktor mit 1458 MW aus den 80er Jahren. Mit diesen Leistungskenndaten gehört Philippsburg zu den Schwergewichten der Kernkraftwerke dieser Welt. Alleine der Druckwasserreaktor könnte alle privaten Haushalte in Baden-Württemberg mit Strom versorgen. Über 800 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

Unsere Exkursion begann im Info-Zentrum. Bis zu unserer eigentlichen Führung blieb noch etwas Zeit und so konnten wir erste Information sammeln: Über die geschichtliche Entwicklung der Kernspaltung, über das Thema Sicherheit, die große Energiedichte von Uran und über den Aufbau der beiden Reaktoren.

Kurze Zeit später ging es mit der Begrüßung und einem Einführungsvortrag los. Wir lernten noch einmal genau den Aufbau und Funktion des Kraftwerks und der beiden Blöcke kennen. Nach einem abschließenden Film ging es endlich mit unserer Führung los. Auf dem Programm standen der Kühlturm, das Maschinenhaus und das Reaktorgebäude des Druckwasserreaktors (DWR).

Aufgeteilt in vier Gruppen und jeweils ausgestattet mit Helm und einem Audioempfangsgerät mit Kopfhörer (für die lauteren Bereiche in der Maschinenhalle) ging es zur ersten Station: dem Kühlturm, einem Naturzug-Nasskühlturm mit einer Höhe von 152 Metern und einem Basisdurchmesser von 124 Metern.

Ohne Kühlturm müsste man zur Kühlung des DWR 60m³ Wasser pro Sekunde durch den Kondensator des Kraftwerks leiten (das entspricht der kompletten Wassermenge des Neckars, welche unter der alten Brücke in Heidelberg pro Sekunde hindurch fließt). Im Sommer bei niedrigem Wasserstand würde sich der Rhein zu sehr aufheizen, weswegen ein solcher Kühlturm notwendig ist. Bei diesem strömt von unten auf natürliche Weise Luft ein und das Wasser, welches in geringer Höhe verrieselt, wird abgekühlt. Da es in Baden-Württemberg eine Abgabe von einem Cent / m³ Wasserentnahme gibt, ist der Kühlturm eigentlich immer in Betrieb um Geld zu sparen. Bei unserem Besuch war er jedoch aufgrund der aktuell hohen Strompreise an der Leipziger Strombörse ausgeschaltet – die Gewinne der eingesparten 20 MW Pumpleistung für den Kühlturm waren höher als die Abgaben durch den Wassercent für die direkte Kühlung.

So konnten wir mit einem ungetrübten Blick den Kühlturm auch von innen in Augenschein nehmen und die beeindruckenden Dimensionen bestaunen.

Danach ging es weiter zum Maschinengebäude, welches im stark bewachten Sicherheitsbereich liegt. Nach einer umfangreichen Personenkontrolle mit Einzelüberprüfung und vorbei an diversen Panzersperren ging es weiter zum Maschinenhaus. Bereits draußen konnte man die lauten Geräusche der Kühlmittelpumpen und der Transformatoren hören. Hier brauchten wir nun unsere Ohrstöpsel und Kopfhörer. An unzähligen Rohren, Ventilen und Anzeigen vorbei, kamen wir in die Maschinenhalle. Dort war es warm und sehr laut. Eine Hochdruckeinheit und drei Niederdruckturbinenstufen sitzen hier direkt auf einer Welle und treiben die Synchronmaschine an, welche enorme Vibrationen erzeugt. Direkt sehen konnte man die drehenden Turbinen nicht, aber man konnte doch sehr deutlich die gewaltige Kraft erahnen und spüren, welche dort vom Dampf abgegeben wird. Der erzeugte Dampf wird über vier große Hauptleitungen direkt in die Hochdruckturbine geleitet. Danach geht es weiter durch zwei große Wasserabscheider, einem Zwischenüberhitzer und schließlich in die Niederdruckturbinen. Danach wird der Dampf bis zum Kondensieren im Kondensator gekühlt und zurück geleitet. Es war ein wirklich beeindruckendes Gefühl die ganzen Kolosse zu bestaunen, die die elektrische Energie erzeugen.

Nach einem kurzen Blick in die Schaltwarte, also dem Ort von dem alles gesteuert wird, ging es weiter zum Reaktorgebäude. Wir wurden nun mit neuen Helmen, einem großen weißen Mantel, weißen Schuhüberziehern und einem eigenen Dosimeter ausgestattet. Nach erneuter Sicherheitskontrolle und Anmeldung für den Kontrollbereich konnten wir durch eine Schleuse das Reaktorgebäude betreten. Beim DWR beinhaltet das kugelrunde Gebäude – geschützt von einer mehreren zentimeterdicken Stahlhülle und einer meterdicken Betonhülle – den Reaktordruckbehälter, in dem durch Kernspaltung der Primärkreislauf erwärmt wird und den Dampferzeuger, bei dem durch einen Wärmetauscher im Sekundärkreislauf Dampf erzeugt wird, welcher nach draußen geleitet wird. Highlight war hier die Besichtigung des Brennelementbeckens: ein zehn Meter tiefes Becken in dem abgebrannte Brennelemente zum Abklingen für fünf Jahre zwischengelagert werden. Dank der sehr guten Abschirmung des Wassers kann man sich ohne Probleme darüber aufhalten und die Brennelemente mit eigenen Augen sehen. Der Reaktor an sich kann als Besucher nicht gesehen werden. Nur einmal im Jahr zur Revision wird dieser zugänglich gemacht, der Bereich darüber geflutet und schließlich die Brennelemente ins Abklingbecken umgesiedelt.

Erstaunlich war zum einen der große Automatismus, kein Arbeiter war zu entdecken, da alles automatisch im normalen Betrieb läuft. Zum anderen war es erstaunlich, dass es trotz direkter Nähe zum Abklingbecken nur eine sehr geringe Strahlung gab, unser Dosimeter hat während dem gesamten Aufenthalt nie eine Strahlung gemeldet.

Dies liegt natürlich auch an den vielen Sicherheitsvorschriften, die penibel eingehalten werden: Auf dem Rückweg mussten wir unseren Mantel, Überzieher und Helm abgegeben, welche direkt in die Wäsche wanderten. Auch war gründliches Händewaschen angesagt, das Abwasser wird natürlich aufgefangen und speziell gereinigt. Danach mussten wir noch zwei Messkontrollen passieren, bei denen wir genau auf Kontamination geprüft wurden.

Das war unsere Besichtigung: Es war sehr beeindruckend und informativ die Anlagen live in Augenschein nehmen zu können. Anschließend gab es noch eine Diskussion, bei der uns seitens der Kraftwerksvertretung einige positive Argumente und neue Denkanstöße mit auf den Weg gegeben wurden. Wobei hier sehr wohl auch die Schattenseiten der Atomkraft angesprochen wurden. Zu nennen ist hier insbesondere die ungeklärte Endlagerfrage der noch für viele Jahrtausende strahlenden Abfälle.

Es sollte nicht zu schnell die Atomkraft verurteil werden, geschieht dies in doch vielen Fällen aus großer Unwissenheit. Solch eine Führung ist empfehlenswert, erlaubt es doch sich eine wesentlich fundiertere Meinung zu bilden, da viele Aspekte beleuchtet werden (übrigens auch die große Abhängigkeit unseres täglichen Lebens vom Strom; dieser muss irgendwo produziert werden) und man den großen technischen Aufwand und die ganzen Sicherheitsvorkehrungen kennenlernt.

Vielen Dank an Herrn Maurer für den interessanten Vortrag und die abschließende Diskussion, den Damen die uns kompetent herum geführt haben und für die Bewirtung sowie den Bustransport. Ein Dank gilt auch der EnBW für das Sponsoring des Bustransports und Frau Lena Walter und Herrn Dipl.-Ing. Torsten Schmidt von der EnBW für die Unterstützung während der Organisation. Ein abschließender Dank geht an Yannick Rink von der VDE Hochschulgruppe Karlsruhe, der diese Exkursion für die Studenten organisiert hat.

Daniel Eiberger