SEW-Seminar

Vom 14.01. bis zum 16.01. waren 8 begeisterte Jungmitglieder in Bruchsal bei SEW Eurodrive zum 3-tägigen MOVIAXIS Kompaktseminar eingeladen. MOVIAXIS ist grob zusammengefasst eine Komplettlösung von SEW Eurodrive, bei dem mehrere Achsen (Motoren) über ein zentrales Versorgungsmodul und bis zu 8 Achsmodule (Umrichter) angesteuert werden (verbunden über CAN oder Ethernet).

Nach einer kurzen Vorstellung des Unternehmens bekamen wir eine Einführung in die Servotechnik. Diese konnte dank guter (theoretischer) Ausbildung am KIT bei uns etwas gekürzt werden, im Gegensatz zu den Industriekunden, für welche dieses Seminar eigentlich konzipiert ist.

Jede Zweiergruppe teilte sich ein Bedienpult mit 4 Motoren, 4 MOVIAXIS Modulen und 4 MOVIDRIVE Modulen. Damit konnten wir schon vor dem Mittagessen 2 Achsmodule mit den entsprechenden Motoren in Betrieb nehmen. Die Initialisierung erfolgt hierbei recht intuitiv, wobei kleine Erklärungen zu den einzelnen Komponenten sehr hilfreich und interessant waren.

Nachdem die Synchronmotoren bisher nur im Handbetrieb gelaufen sind, sollten diese nachmittags dann geregelt laufen. Dazu musste man lediglich einige Parameter einstellen und bei der Reglerauslegung den ‚SEW-Vorschlag’ übernehmen. Natürlich musste man dabei darauf achten, dass der Umrichter auch auf den gegebenen Antrieb konfiguriert ist. Das dies nicht immer ohne Probleme und fehlerhafte Einstellungen abläuft, ist selbst bei solch technik- erfahrenen Studenten wie uns verständlich. Mit allen behobenen Problemen konnten wir den Antrieb dann positionieren, um vorab eingegebene Werte mit unterschiedlichen Drehzahlen und Beschleunigungen an zu fahren.

Am nächsten Morgen wurde ein klassischer Fall aus der Industrie simuliert: Der Nachtschichtleiter hat seinen Arbeitsplatz (z.B. ein Prüfstand in der Pkw-Produktion) nicht ordnungsgemäß verlassen und es funktioniert überhaupt nichts mehr. Also war die Fehlersuche angesagt…Softwareprobleme konnten relativ einfach gelöst werden, indem die auf dem PC gespeicherten Einstellungen vom Vortrag in den Umrichter geladen wurden. Anders sah es bei den Hardwarefehlern aus. Hier musste jeder einzelne Stecker doppelt und dreifach überprüft werden, ob er richtig eingesteckt ist. Es dauerte eine ganze Weile, bis alle wieder eine Funktionstüchtige Einheit vor sich hatten, in der Industrie würde das einen großen Produktionsausfall mit sich bringen!

Der vom Vortag genutzte ‚SEW-Vorschlag’ für die Regelung sollte dann als erstes mittels einer Scopefunktion optimiert werden. Wer jetzt aber erwartet, dass hier aus dem Studium bekannte aufwändige Berechnungen aufgestellt werden, der täuscht sich. Der von einem PI-Stromregler unterlagertem Drehzahlregler wird in dem SEW eigenen Tool ganz einfach eingestellt. Zu beachten ist hier lediglich die Steifigkeit und die Spielfreiheit der Last. Den Rest erledigt ein Algorithmus. Das Ergebnis konnte mittels Resolvern ausgelesen werden und als Echtzeit-Diagramm angezeigt werden. Dabei war die Regelung im Hinblick auf Schnelligkeit, Genauigkeit und Stabilität bei allen Gruppen sehr gut.

Bis zur Mittagspause wurden die beiden Antriebe dann noch so konfiguriert, dass einer davon im Slave-Betrieb laufen kann, welcher dann synchron mit dem Master dreht. Gerade für Wickelmaschinen ist dieses Prinzip zum Beispiel sehr wichtig, damit das Material unabhängig vom Drehmoment mit einer konstanten Drehzahl dreht und dadurch nicht reißt.

Gestärkt konnten wir dann sehen, wie das ganze für einen beliebig weit entfernten Mitarbeiter aussieht, welcher per SPS und Ethernet direkt an das MOVIAXIS-Modul angebunden ist. Auch hier gibt es wieder ein vorgefertigtes Programm von SEW, wodurch man leicht sehen kann, in welchem Zustand der Motor sich gerade befindet, oder ob ein Fehler aufgetreten ist. Ein Großteil der Fehler kann dann auch Online direkt gelöst werden.

Kurz vor Feierabend bekamen wir noch eine kurze Einführung in die MOVI-PLC, eine frei programmierbare und konfigurierbare Applikationslösung, welche uns am nächsten Tag begleiten wird. Diese übernimmt die Funktion als Fernwartungsmodem mit vielen verschiedenen Schnittstellen. Falls ein Austausch der PLC nötig ist, können alle Einstellungen per SD-Karte im neuen Modul übernommen werden und das System somit wieder schnell und problemlos in Betrieb genommen werden.

Der nächste Tag startete wieder ganz entspannt mit Anwendungsbeispielen der eingesetzten Module. In den gezeigten Videos war es sehr interessant zu sehen, wie flexibel MOVIAXIS in Ihrer Anwendung ist. Alle Prozesse sind dabei sehr komplex und benötigen sehr viel Sicherheitstechnik. Mit unserer Erfahrung aus den letzten 2 Tagen wurde uns aber schnell klar, dass dies mit den SEW-Tools sehr erleichtert wird und nach entsprechender Einarbeitung auch gut beherrscht werden kann. Als Beispiel sei hier eine Flaschenbefüllanlage genannt, wie wir sie bei Löwenbräu in München schon live gesehen haben.

Den Rest des Tages lernten wir noch verschiedene Verfahren kennen, wie man die Umrichter ansteuern kann, mit dabei auch eine Programmierumgebung, wie man sie aus dem Studium kennt. So kann mit einfachen C-Befehlen der komplette Aufbau gesteuert werden und mit eingestellten Schalterstellungen die Drehzahl oder die Sollposition geändert werden. Diese Steuermöglichkeit ist etwas komplexer, dafür aber nochmals flexibler in der Anwendung. Für uns Studenten war dies dann natürlich die Spielwiese, wodurch wir nach Lust und Laune den Antrieb steuern konnten.

Zum Abschluss durften wir noch ein anderes System von SEW kennenlernen: MOVI-DRIVE. Dieses lässt sich ähnlich leicht wie das bereits bekannte MOVI-AXIS bedienen und so waren wir schnell in dieses Thema eingearbeitet. Dadurch konnten wir noch sehen, dass die beiden Systeme auch untereinander sehr gut miteinander kombinierbar sind und auch hier zum Beispiel der Master-Salve-Betrieb leicht möglich ist.

In den 22,5 Stunden des Seminars haben wir alle sehr viel gelernt. Theoretisch wussten wir schon vorher, wie ein Umrichter und der dazugehörige Motor ungefähr ausgelegt werden müssen. Das ganze dann nochmals in der Praxis erfahren zu dürfen, war für alle etwas besonderes und hat sehr viel Spaß gemacht! Zusätzlich haben wir auch noch viele theoretische Grundlagen gesammelt, die durchaus aktueller sein könnten, als manche in der Uni vermittelten.

Bepackt mit einem Ordner voll Anleitungen, Informationen und vielen anderen nützlichen Extras konnten wir zum vorerst letzten Mal den Heimweg aus Bruchsal eintreten. Die Wege werden sich aber vielleicht nochmals mit SEW kreuzen.