Winterexkursion Kassel 24.-25.01.2013

Vom 24.-25. Januar 2013 fand die diesjährige Winterexkursion der VDE Hochschulgruppe statt, die in diesem Semester als Kooperation mit der HSG Kassel durchgeführt wurde.

Frühmorgens um 4:30 Uhr ging es für die 21 Teilnehmer aus Karlsruhe los, etwas länger konnten drei Teilnehmer aus Dortmund schlafen. Erstes Ziel in Kassel war die SMA Solar Technology AG. Der deutsche Weltmarktführer für Solarwechselrichter deckt von Kassel aus ein Viertel des Weltbedarfs an Solarwechselrichtern in allen Leistungsklassen. Nach einer Vorstellung der Firma konnten wir in einem weiteren Vortrag einige interessante technische und auch wirtschaftliche Details kennenlernen.

In den letzten Monaten ist in Europa, vor allem aufgrund des Rückgangs staatlicher Subventionen eine rückläufige Entwicklung im Photovoltaik-Zubau zu bemerken. Auch müssen die Verkaufspreise sinken, um gegenüber den immer günstigeren Solarmodulen noch wettbewerbsfähig zu bleiben. Dass dadurch die Verkäufe zurückgehen, war auch bei SMA zu beobachten, die zurzeit nur mit geringer Auslastung produzieren. Da die Produktionskosten von Solarstrom in Deutschland mittlerweile unterhalb des durchschnittlichen Strompreises liegen ist auch der Selbstverbrauch interessant. Für diese Anwendung hat SMA neue Wechselrichter und Steuerungselektronik mit Smart-Grid Funktionalität entwickelt, um so Weltmarktführer zu bleiben.

Bei einer Werksführung durch die Produktion der Wechselrichter im niedrigen ein- und dreiphasigen Leistungsbereich, konnten wir uns ein Bild der Abläufe und der aktuellen Auslastung machen, sowie einige Details der Produktion kennenlernen. Anschließend konnten wir das Essen der Werkskantine genießen.

Noch am gleichen Tag stand eine weitere Firmenbesichtigung bei Alstom Grid GmbH an. Im Werk Kassel werden Leistungsschalter für Mittel- und Hochspannungsnetze produziert. In einem Vortrag wurde uns das Portfolio vorgestellt und die technischen Details der aktuellen Schalter erläutert. Knapp 90 % der am Standort produzierten Schalter gehen in den Export. Die Schalter halten Kurzschlussströme von 40-60 kA bei einem Nennstrom von 4-6 kA aus, die Nennspannungen liegen zwischen 36 kV und 170 kV. Anschließend konnte die Montage sowohl der kompakten als auch der „normalen“ Schaltanlagen besichtigt werden.

Nach dem Bezug der Jugendherberge konnte sich mit der Hochschulgruppe Kassel bei einigen leckeren Cocktails im Kokotao ausgetauscht werden und der Abend gemütlich ausklingen.

Auf erholsamen Schlaf und ein Frühstück in der Jugendherberge folgte am Freitag ein weiteres Highlight der Kassel-Exkursion, das Volkswagen Werk Kassel in Baunatal. Hierbei handelt es sich um das zweitgrößte Werk der Volkswagen Gruppe mit einer beeindruckenden Ausdehnung. Die vier Hallen der Getriebefertigung und Metallverarbeitung haben zusammen eine Länge von 1,4 km und eine Breite von 500 m. Daneben befinden sich auf dem Werksgelände noch eine Gießerei und ein GuD-Kraftwerk, sowie das immer größer werdende Original-Teile-Center. Neben den jährlich über drei Millionen bzw. täglich ca. 17.000 Schalt- und Direktschaltgetrieben werden Leichtmetallteile und Abgasanlagen mit Partikelfiltern gefertigt.

Nach einer theoretischen Vorstellung des Werks durften wir die Produktion des 6-Gang Direktschaltgetriebes, sowie die Warmumformung besichtigen. Dabei konnten wir in einer sehr interessanten und ausführlichen Führung alle Details der Produktionsprozesse hautnah beobachten, da wir direkt auf der Produktionsebene durch die Fertigung laufen konnten. Beeindruckend waren auch die Automatisierung der Fertigung und die Logistik in einem so großen Werk.

Bei der Warmumformung handelt es sich um einen Formprozess für Leichtmetallteile, die zunächst durch Induktion erhitzt, dann einer Nanobeschichtung gegen Korrosion unterzogen und heiß in ihre Form gepresst werden. Anschließend werden sie mit Laserschneidgeräten auf ihre Einbauform geschnitten. Bei der Getriebefertigung steigt der Anteil der Direktschaltgetriebe stark, da sie die Vorteile von Automatik- uns Handschaltgetriebe vereinen. So fährt man komfortabel, sparsam und ruckfrei. Um nicht nur den Wissenshunger gestillt zu wissen ging es nach der Werksführung zu einem leckeren Mittagessen in die Firmenkantine.

Für den kulturellen Teil der Exkursion fuhren wir am Nachmittag zur Kasseler Orangerie, in der sich das astronomisch-physikalische Kabinett befindet. Hier entspannten wir uns im Planetarium bei einer Einführung oder Auffrischung der Himmelskunde und betrachteten anschließend die landgräfliche Sammlung wissenschaftlicher Instrumente zur Himmelsbeobachtung und Zeitmessung. Hier hätte der ein oder andere sicherlich noch einige Zeit verweilen können, jedoch stand nicht viel Zeit zur Verfügung, da das Museum schließen und wir ja auch Karlsruhe noch erreichen wollten.

Bedanken möchte ich mich ganz herzlich im Namen der Hochschulgruppe Karlsruhe bei der HSG Kassel und Herrn Wolfgang Dünkel vom BV Kassel für die Organisation des lehrreichen und interessanten Programms. Deshalb freuen wir uns, dass wir uns revanchieren können und die HSG Kassel Ende des Jahres hier bei uns in Karlsruhe begrüßen dürfen.

Bericht von Juri von Kürten