Forschungszentrum Informatik am 10.09.2014

Wenn sich 20 Studenten und Berufsanfänger zusammen in einem engen Badezimmer tummeln, wirkt das schon etwas verstörend. Wenn dann auch noch auf dem Spiegel Informationen projiziert werden und die Waschmaschine sich Gedanken über Stromkosten und Zeitmanagement macht, wird es komisch.

Am Forschungszentrum Informatik (FZI) in Karlsruhe, einem unabhängigen Forschungsinstitut, sind solche Dinge jedoch an der Tagesordnung. Am 10.09. hatten wir bei einer Exkursion die Möglichkeit, einen Einblick in solche Themen der Zukunft zu erhalten.

Ein Teil des FZI ist das Living Lab smartHome/Ambient Assisted Living (AAL), eine voll ausgestattete Wohnung, die diverse besonders für pflegebedürftige Menschen gedachte Hilfs- und Notfalleinrichtungen für den Alltag bietet. So kann z. B. eines der verbauten Systeme über Sensoren im Boden oder an der Decke erkennen, ob eine Person längere Zeit bewegungslos am Boden liegt und dann automatisch das Pflegepersonal informieren.

Aber auch mit anderen Themen beschäftigt sich das FZI interdisziplinär. So sollen z. B. Notärzte in Zukunft schneller und leichter an überlebensrelevante Informationen kommen, indem ein mit den Krankenhäusern und der Patientenkarte vernetztes Tablet das nächste auf die Erkrankung des Patienten spezialisierte Krankenhaus findet. Die Arbeit der Polizei soll dadurch erleichtert werden, dass eine luftgekühlte Schutzweste die Belastung der Beamten im Einsatz reduziert. Außerdem können mobile Messgeräte dabei helfen, bei einem Patienten Schlafapnoe zu diagnostizieren, ohne dass eine mit großem Aufwand verbundene Untersuchung in einem Schlaflabor durchgeführt werden muss.

Auch auf Enthüllungen wie den NSA-Skandal hat das FZI eine Antwort. Durch die verteilte und verschlüsselte Speicherung von Daten in der Cloud wird es einem potentiellen Angreifer deutlich erschwert, an wichtige Daten zu kommen. Dass dies nicht nur in der Theorie funktioniert zeigt die Tatsache, dass das FZI bereits solche Lösungen für den Mittelstand anbietet.

Um auch in Gebäuden nicht den Überblick zu verlieren, forscht das FZI auch an kostengünstigen Möglichkeiten für eine Indoor-Navigation. Neben speziell entwickelten Sendern wird auch die Ortung über weit verfügbare Standards, wie WLAN oder Bluetooth ermöglicht. Zusammen mit Wartungsrobotern und intelligenten Prozessen in der Automation ergeben sich so ganz neue Möglichkeiten der Instandhaltung.

Autonomes Fahren ist am FZI an der Tagesordnung: ein mit speziellen Sensoren und Auswerteelektronik bestückter Audi kann sich schon jetzt ohne menschlichen Eingriff durch die Straßen bewegen und automatisch in Kolonne fahren. Als Fahrgäste könnten somit auch Roboter befördert werden, die Einkaufen gehen, Abwasserrohre untersuchen oder in Krisengebieten eingesetzt werden. Auch daran wird am FZI geforscht.

Zu guter Letzt haben wir uns noch das Living Lab im Bereich der Elektromobilität angeschaut. Hier werden unter anderem gewichtsabhängig die Reichweite von Elektroautos untersucht und verschiedene Antriebskonzepte getestet.

In allen Bereichen wird dabei eng mit der Industrie und dem KIT zusammen gearbeitet, sodass über 200 Projekte zeitgleich am FZI bearbeitet werden! Darum ist das FZI ständig auf der Suche nach Hiwis, Bachelor- und Masterarbeitern, aber auch Promotionen sind hier in einem breiten Themenspektrum möglich.

Vielen Dank an Dr. Nicole Groß und Dr. Stefan Hellfeld für die sehr interessante Führung und die anschließende Diskussionsrunde bei Kaffee und Brezeln!

Von Frank Holländer